2 000 Teilnehmer*innen, ergreifende Reden, live Musik, viel laute Wut und Solidarität gegen Patriarchat, Unterdrückung und Femizide gab es bei der Demonstration zum 8. März in Kiel. Doch das diesjährige Motto der Demo „None of us is free until all of us are free“ wurde schon am Auftaktort auf die Probe gestellt: Ordner*innen haben unter Zuhilfenahme der Polizei eine Person mit kleiner Regenbogenflagge mit jüdischem Symbol von der Demonstration ausgeschlossen.

Als Grund für die Verbannung — „wenn du die Flagge nicht einsteckst, musst du die Demo verlassen“ — wurden Beschwerden anderer Demonstrierender genannt. Bedrohlich sei dieses Stück Stoff mit dem jüdischem Symbol. Ein Plakat mit dem Konterfei der Terroristin Leila Chaled wurde während der gesamten Veranstaltung gezeigt.

Autoritäre Linke, bereits durch Gewalt aufgefallene Männer, Macker*innen und Antisemitismus waren kein Problem für die feministische Versammlung. Es müsse erst zu Handlungen kommen, bevor sie zum Gehen aufgefordert werden können. Der Versuch, die Demonstration zu okkupieren, gelang ihnen dennoch nicht.

Judenhass auch von Ordner*innen

Der Ausschluss der Flagge mit dem Magen David in Regenbogenfarben wurde erst nach einer solidarischen Intervention zum Ende der Reden am nächsten Kundgebungsort wieder aufgehoben. Dies hielt einzelne Ordner*innen jedoch weiterhin nicht davon ab, während der Pause zum Gedenken an ermordete Frauen laut zu fordern, die „Scheißflagge“ endlich einzustecken.

Mit antisemitischen Dog Whistles in Form von Kufiyahs hingegen gab es zu keinem Zeitpunkt Probleme oder Berührungsängste: Einige Ordner*innen trugen selbst das Tuch. Kein Zufall, dass genau diese einen Magen David als „Scheißjudenstern“ bezeichneten, sich übergriffig verhielten, Berdrohlichkeit erzeugten und diese der Person mit der Flagge unterstellten und ganz beharrlich für den Ausschluss waren.

Linksautoritäre Macker*innen und ihr Unterstützer*innenumfeld waren zugegen und wurden nicht problematisiert. Sie provozierten, beschimpften, starrten und übergingen das Anliegen des feministischen Kampftags mit ihrem ordinären Judenhass, inklusive Vernichtungsfantasien. Als Teil der ehrenamtlichen 8M-Bündnisses haben wir frühzeitig vor dieser Gefahr gewarnt.

Eine Einigung auf den Ausschluss von Gruppen, die bereits durch Teilnahme an Veranstaltungen mit anitsemitischen Inhalten und Gewalt während Veranstaltungen oder im Anschluss aufgefallen sind, konnte nicht erzielt werden. Die Flaggen und damit mit den Gruppen verbundenen Menschen vom IJV (Internationaler Jugendverein), DIDF (Föderation Demokratischer Arbeitervereine) und Young Struggle waren gleich mehrfach vorhanden. Auch antisemitisches Verhalten im Gruppenchat oder bei Orgatreffen führte zu keinen Konsequenzen für die Täter*innen. Stattdessen mussten sich Menschen aus Angst vor Gewalt aus der Demo-Orga zurück ziehen, konnten die Veranstaltung nur mit Begleitschutz besuchen oder wichen nach Hamburg zu einer inklusiveren Demonstration aus.

Offene Terrorverherrlichung

„Yalla, Yalla, Intifada“, die bekannte Sympathiebekundung für die durch radikale Palästinenser*innen verübten Gewalttaten gegen Jüdinnen*Juden ist mehr als die Aufforderung zu friedlichem Protest und war ebenso zu hören wie das kollektive „Viva Viva Palästina“. Weiterhin wurde mit Leila Chaled offen und ungestört ein führendes Mitglied der antisemitischen Terrororganisation PFLP zur Heldin („Frauen im Widerstand“) verklärt. Die SDAJ warb unverblümt für den Marxismus-Leninismus — die menschenverachtende Weltanschauung, die sie mit der Sowjetunion Stalins und der PFLP teilen.

Vielen Demonstrationsteilnehmer*innen, uns und den Hauptorganisator*innen ging es wirklich um feministische Anliegen, während die üblichen Verdächtigen diese Veranstaltung für ihre Zwecke zu vereinnahmen versuchten. Eines muss klar sein: Diese autoritären Trauergestalten gestalten und reproduzieren patriarchale Gewalt und sind keine Verbündeten auf dem Weg in eine befreite Gesellschaft. Das schöne Leben für alle ist mit ihnen nicht möglich.

Antisemitismus, reaktionäre Ideologien und patriarchale Macker sollten gerade am 8. März keinen Platz auf einer feministischen, emanzipatorischen Demonstration haben. „Macker raus“ muss mehr sein als lautes Gebrüll und Wunschdenken. „None of us is free until all of us are free“ muss auch für Jüdinnen*Juden und ihre Verbündeten gelten. Für einen universellen FeminisMUSS ohne Antisemitismus.